Von Geschlechtergerechtigkeit kann in vielen gesellschaftlichen Bereichen noch keine Rede sein – so auch im Themenfeld “Wohnen”. Unterschiede werden deutlich beim geringeren Einkommen von Frauen/FLINTA, beim erschwerten Aufbau finanzieller Sicherheiten, beim Erwerb von Wohneigentum und beim erschwerte Zugang zu Krediten für FLINTA-Personen.
Das strukturelle Problem: Der Gender Pay Gap
Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 16 % weniger als Männer. Diese Lücke ist das Ergebnis struktureller Ungleichheiten: FLINTA-Personen arbeiten häufiger in Teilzeit, leisten den Großteil unbezahlter Care-Arbeit und sind öfter von Armut betroffen. Das bedeutet weniger Ersparnisse, weniger finanzielle Absicherung, und am Ende weniger Zugang zu Wohnraum.
Wenn weniger Einkommen zur Wohnungsfrage wird
Banken vergeben Kredite auf Basis von Einkommen und Sicherheiten. Wer weniger verdient, erhält schlechtere Konditionen, oder gar keinen Kredit. Dadurch entsteht eine eingeschränkte Zugänglichkeit zum Wohnungs- und Immobilienmarkt und zu Finanzierungen.
Das Ergebnis zeigt sich in den Zahlen zur Eigentumsverteilung: Rund 40 % der Männer in Deutschland geben an, dass sie Wohneigentum besitzen, bei den Frauen sind es nur etwa 36–37 %. Hierbei relevant ist außerdem, dass 69 % aller Immobilienkäufe durch Paare finanziert werden. Das bedeutet, dass Menschen, die keine Partnerschaft als finanzielle Basis haben oder sich strukturell in einer schlechteren Ausgangsposition befindet, vom klassischen Immobilienmarkt und dem Eigentumserwerb so gut wie ausgeschlossen sind.
Warum speziell FLINTA?
FLINTA leisten überproportional viel unbezahlte und ungesehene Care Arbeit, arbeiten häufiger in prekären Beschäftigungsverhältnissen und sind stärker von Altersarmut bedroht. Trans, inter und nicht binäre Menschen sind laut einer Studie außerdem überproportional häufig von Wohnungslosigkeit betroffen und finden im bestehenden Hilfssystem oft keinen passenden Platz, weil es binär organisiert ist und ihre Bedarfe schlicht nicht kennt.
Kurz gesagt: Das Risiko, Wohnraum zu verlieren oder gar nicht erst Zugang dazu zu bekommen, ist für FLINTA strukturell höher.
Deshalb setzt Viola auf FLINTA-Wohnen
Genau deshalb braucht es Projekte wie Viola. Unser Ziel ist es, den Zugang zu langfristigem, sicherem Wohnraum für Frauen, Lesben, inter, nicht binär, trans und agender Personen dauerhaft zu sichern – nicht als Gunst, sondern als Selbstverständlichkeit. Wir nehmen Rücksicht auf die finanzielle Realität unserer Bewohner*innen und setzen auf sozialverträgliche Mieten statt auf Marktpreise. Und wir fördern solidarisches miteinander Wohnen und Leben, durch Gemeinschaft, gegenseitige Unterstützung und ein Modell, das nicht auf Gewinn ausgelegt ist, denn ein sicheres Zuhause sollte keine Frage des Einkommens sein.
